Volta Via: Elektrifizierung von Großbaustellen im Straßenbau

München/Aachen, 28.10.2026. Die Transformation des Straßenbaus - Kernthema des Forschungsprojekts Volta Via. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines Gesamtkonzepts zur Elektrifizierung von Großbaustellen im Straßenbau einschließlich der erforderlichen Energieversorgung sowie die Erarbeitung eines technologieoffenen Vergabeansatzes zur gezielten Förderung emissionsärmerer Maschinen- und Versorgungskonzepte.
Im Rahmen des Projekts hat ein Projektteam von Zeppelin Rental und des wissenschaftlichen Partners des Lehrstuhls Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen Universität im engen Austausch mit einem Expertenkreis aus Vertretern der Autobahn GmbH, der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), der österreichischen ASFINAG, des Schweizer Bundesamts für Straßen (ASTRA) untersucht, welche Straßenbaumaschinen kurz- mittel- und langfristig elektrifiziert werden können und welche Energieinfrastruktur hierfür erforderlich ist. Dabei wurden Konzepte für die Energieversorgung direkt auf dem Baufeld, in dessen Umfeld sowie an Park- und Rastanlagen untersucht und ein Ablaufplan entwickelt, der es Bauunternehmen ermöglicht, die ideale Versorgungsinfrastruktur für das jeweilige Bauvorhaben anhand der einzusetzenden Fahrzeuge und einfacher Randbedingungen aufzustellen.
Die Untersuchung belegt, dass bereits heute für 86 Prozent der betrachteten Fahrzeug- und Maschinenkategorien im Straßenbau elektrische oder wasserstoffbetriebene Lösungen bestehen. Die Marktreife ist jedoch noch nicht in allen Gewichtsklassen erreicht. Größere Technologielücken und Potenzial für technologische Weiterentwicklungen bestehen derzeit insbesondere bei Beschickern und Gleitschalungsfertigern.
Der integrierte Vermietdienstleister war eng in das Projekt Volta Via eingebunden. Langfristig eröffnet die Kombination aus Elektrifizierung und weiteren emissionsarmen Antriebstechnologien ein CO₂-Minderungspotenzial von bis zu 95 Prozent bis zum Jahr 2050.
Neuer Vergabemechanismus schafft Anreize für emissionsarme Technologien
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung eines wissenschaftlich validierten und praxisorientierten Vergabemechanismus zur schrittweisen Erhöhung des Elektrifizierungsgrades von Straßenbaustellen. Das Verfahren ermöglicht eine nachvollziehbare, faire und technologieoffene Bewertung emissionsarmer Baumaschinen und setzt gleichzeitig gezielte Marktanreize für Investitionen in innovative Technologien.
Die Bewertung basiert auf objektiven Kriterien wie Maschinengewicht, Antriebstechnologie, Einsatzrelevanz, Anwendungsbereich sowie dem Einsatz von energiesparenden Technologien. Der dazu entwickelte Elektrifizierungsindex wurde anhand von Telemetriedaten aus realen Bauvorhaben kalibriert und validiert. Dadurch erhalten Vergabestellen ein belastbares, einfach anwendbares und überprüfbares Instrument zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei öffentlichen Ausschreibungen.
Der entwickelte Ansatz ist bewusst technologieoffen gestaltet. Neben vollelektrischen Maschinen können auch Hybridantriebe sowie alternative Kraftstoffe wie HVO100 entsprechend ihres Beitrags zur Emissionsminderung bewertet werden. Die Gewichtung einzelner Technologien lässt sich flexibel an politische Zielsetzungen, regulatorische Anforderungen und die jeweiligen strategischen Rahmenbedingungen anpassen.
Fazit: Brücke zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit
Mit dem im Projekt Volta Via entwickelten Vergabemechanismus steht erstmals ein wissenschaftlich fundiertes, praxisnahes und technologieoffenes Instrument zur Verfügung, das den Einsatz emissionsärmerer Technologien gezielt fördert, ohne dabei kleinere und mittelständische Firmen durch hohe notwendige Initialinvestitionen zu benachteiligen. Die Projektergebnisse belegen, dass ökologische Zielsetzungen, wirtschaftliche Vorteile und praktische Umsetzbarkeit miteinander vereinbar sind und damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Bauwirtschaft leisten können.
Volta Via wurde im Rahmen der D-A-CH Kooperation Verkehrsinfrastrukturforschung 2024 finanziert. Träger des grenzüberschreitenden Förderprogramms sind das deutsche Bundesministerium für Verkehr (BMV), das österreichische Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sowie das Schweizer Bundesamt für Straßen (ASTRA). Das Programmmanagement übernahm die Österreichische Forschungs-förderungsgesellschaft (FFG). Insbesondere bei der Ausarbeitung des neu entwickelten Vergabemechanismus flossen Praxiserfahrungen aus Bauwirtschaft, Maschinenentwicklung, Energieversorgung und öffentlicher Vergabe mit ein.